Goldensheep, Family Business
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Family Business10. Juni 20265 Min Lesezeit

Vier Köpfe, ein Hund, ein Atelier: lernt uns endlich richtig kennen.

Auf der Webseite stehen Rollen und ein paar Skizzen, aber wer sind wir eigentlich? Ein ehrliches Kennenlernen: vier Menschen aus einer Familie, ein Hund mit Meinung, eine Agentur aus Bern, die seit über 25 Jahren am gleichen Tisch sitzt, auch ohne Büro.

Liv Schläfli

Von Liv Schläfli

Inhaberin, Digital & Content

Auf den meisten Agentur-Seiten lächeln vier Menschen in die Kamera, darunter steht ein Titel mit «Head of» und ein Satz, den eine KI in drei Sekunden ausspuckt. Schön anzusehen, sagt aber nichts. Darum hier ein ehrliches Kennenlernen, ohne Hochglanz: das sind wir wirklich, mit dem, was wir können, und dem, was uns nervt.

Kurz zum Rahmen, damit ihr uns einordnen könnt. Goldensheep ist ein Familienbetrieb aus Bern. Vier Köpfe, ein Hund, über 25 Jahre Erfahrung, kein gemeinsames Büro, dafür drei Wohnungen, ein Montags-Call und ein Atelier, das digital ist. Roy und Alex sind die Eltern und seit Jahrzehnten verheiratet, Aline und Liv sind ihre Töchter und das Team, das ihr hier seht. Es gibt noch eine dritte Tochter, Jil, die ihren eigenen Weg geht, zu ihr gleich mehr. Und ja, wir streiten ab und zu über Typografie. Das gehört dazu.

Roy, mein Vater, ist Creative Director und Stratege. Er ist der, der in einem Erstgespräch zehn Minuten zuhört, dann eine einzige Frage stellt, und plötzlich liegt praktisch das ganze Konzept offen auf dem Tisch. Er denkt in Marken, nicht in Kampagnen, und er hat eine fast unheimliche Geduld mit dem leeren Blatt. Was ihn nervt: wenn Geschmack als Strategie verkauft wird. Was ihn glücklich macht: ein Konzept, das nach einem Jahr immer noch trägt. Angefangen hat bei ihm alles ganz analog: Roy ist gelernter Schriftsetzer, noch mit Bleibuchstaben und ruhiger Hand, und das Handwerk hat er schon bei seinem eigenen Vater gelernt. Damit sind wir wirklich ein kleines Generationenhaus, in dem Typografie quasi vererbt wird. Man könnte sagen, ihm wurde der Beruf in die Wiege gelegt, und ehrlich: wenn einer für diese Arbeit gemacht ist, dann er. Legt er den Satz mal aus der Hand, sitzt er am liebsten auf seiner Harley oder spielt Golf in Frankreich, beides mit derselben Mischung aus Gelassenheit und Präzision, die ihr später in seinen Konzepten wiederfindet.

Alex, meine Mutter, hält den Laden zusammen. Operations, Offerten, der ganze Teil, über den niemand auf LinkedIn schreibt, weil er nicht glänzt, sondern funktioniert. Wenn eine Offerte klar ist, ein Projekt im Budget bleibt und ihr nie raten müsst, woran wir gerade sind, dann ist das ihr Werk. Sie schreibt die ehrlichsten Sätze von uns allen, weil sie keine Lust auf Floskeln hat. Was sie selten an die grosse Glocke hängt: Eigentlich ist Alex Künstlerin. In ihrem eigenen Atelier Schläfli (atelierschlaef.li) malt sie auf Auftrag, von Berner Gassen über Kinderportraits bis zu ganzen Ausstellungen. Offerten und Buchhaltung erledigt sie bei uns quasi nebenher, halb aus Liebe zur Familie, halb weil sie genau weiss: ohne die Mama läuft hier gar nichts. Und das gilt nicht nur fürs Organisatorische. Alex ist und war schon immer die Seele des Ateliers. Wo sie ist, wird es gemütlich, sie spürt einfach, worauf es ankommt, damit man sich wohlfühlt.

Aline, meine Schwester, ist für Art Direction und Design verantwortlich. Sie hat das beste Auge im Team und merkt sofort, wenn zwei Pixel nicht sitzen oder eine Marke sich verkleidet, statt sich zu zeigen. Am Entwurf ist sie konzentriert und genau, ohne Effekthascherei, und feilt so lange, bis etwas nicht nur gut aussieht, sondern sich nach euch anfühlt. Diese Genauigkeit ist aber nur die eine Hälfte. Aline ist Mutter und eine, die nicht lange still sitzt, sie unterrichtet nebenbei Pilates und bringt eine wilde, verspielte Energie mit, bei der es selten langweilig wird. Vielleicht erträgt sie deshalb keine schiefe Kante: Wer den ganzen Tag auf Haltung und Balance achtet, richtet auch ein Layout gnadenlos sauber aus. Genau diese Mischung aus Präzision und Spielfreude landet am Ende in eurem Design. Wer sauberes, langlebiges Design mit Charakter will, ist bei ihr richtig.

Kurz raus aus dem Team, rein in die Familie: Aline hat eine Zwillingsschwester, Jil, meine zweite Schwester. Sie arbeitet nicht bei Goldensheep, sondern als Marketing Managerin bei Five Informatik, und sie macht das richtig gut. Wir erwähnen sie trotzdem, weil zwei Marketing-Köpfe in einer Familie für ziemlich lebhafte Diskussionen am Sonntagstisch sorgen und weil wir ein bisschen stolz auf sie sind. Manchmal landet eine ihrer Ideen bei uns, manchmal eine von uns bei ihr. So ist das mit Schwestern. Privat ist Jil ein echter Naturmensch und Familienmensch durch und durch, sie braucht ihre Zeit für sich genauso wie die ganze Familie um sich herum. Am liebsten wäre sie wohl Sonnenanbeterin von Beruf und würde rund um die Uhr in der Sonne liegen, wenn das nur nicht so schädlich für die Haut wäre und die Schweiz sich endlich für eine einzige Jahreszeit entscheiden könnte, am besten Dauersommer. Ausserdem backt sie die besten Zimtschnecken der Welt. Ich habe natürlich längst versucht, sie aufs beste Bananenbrot umzupolen, damit ich es nicht mehr selber backen muss, aber ehrlich gesagt: solange ihre Zimtschnecken auf dem Tisch stehen, beschwert sich niemand. Genau an diesem Tisch rutschen wir allerdings schnell wieder ins Arbeiten, kaum sitzen wir alle beisammen. Damit daraus nicht jedes Mal eine Sitzung wird, haben wir uns ein Zauberwort ausgedacht: Sobald jemand «flauschigs Äntefüddeli» sagt, ist Schluss mit Reden über Projekte, und es geht zurück zum Essen, am liebsten zu Jils Zimtschnecken.

Und ich, Liv, kümmere mich um Digital und Content. Webseiten, Social Media, alles, was online sichtbar wird, läuft über meinen Tisch. Ich bin auch die, die ein gutes Jahr mit Laptop um die Welt gezogen ist, während die anderen drei in Bern den Laden am Laufen hielten. Genauer: gut dreizehn Monate, gemeinsam mit meinem Partner Claudio, von Sri Lanka über Südostasien bis quer durch Südamerika, zwölf Länder, ein Rucksack und ziemlich viel WLAN-Suche. Roy und Alex haben uns unterwegs sogar in Bali besucht. Das hat uns mehr über Vertrauen gelehrt als jeder Workshop. Was mich antreibt: aus einer Marke einen Auftritt machen, den man wiedererkennt, ohne dass es laut sein muss. Privat geht es bei mir ruhiger zu: Claudio und ich haben Suki ganz spontan aus Italien mitgenommen, damals ein drei Monate alter Strassenhund, und seither ist sie nicht mehr wegzudenken. Und wenn ich nicht am Bildschirm sitze, häkle ich neuerdings süsse Täschchen, ein Hobby, auf das ich erst mit über dreissig gekommen bin, am liebsten mit einem Stück Bananenbrot und einem Glas Rosé in Reichweite.

Bleibt Suki, mein Hund und das fünfte Familienmitglied. Sie sitzt bei den meisten Calls neben mir und nimmt jedes Briefing kritisch zur Kenntnis, indem sie demonstrativ wegschaut. Sie ist nicht auf der Lohnliste, aber sie ist die ehrlichste Stimme im Team. Wenn ein Konzept langweilig ist, schläft sie ein. Bisher ein erstaunlich verlässlicher Indikator.

Was uns als Familienbetrieb von einer grossen Agentur unterscheidet: ihr redet immer mit denen, die auch arbeiten. Kein Account-Manager, der zwischen euch und dem Team dolmetscht, keine Junioren, die heimlich euer Projekt üben. Ihr bekommt vier Menschen, die ihren Namen unter die Arbeit setzen, weil es buchstäblich ihr Name ist. Das ist Verpflichtung, keine Marketingzeile.

Wenn ihr also wissen wollt, mit wem ihr es zu tun habt, bevor ihr uns schreibt: jetzt wisst ihr es. Im Journal nehmen wir euch regelmässig mit hinter die Kulissen, zu Marke, Design und KI, ehrlich und ohne Buzzword-Bingo. Und wenn ihr lieber direkt fragt: schreibt uns. Wir antworten innerhalb eines Tages, meistens schneller. Suki braucht etwas länger.